Heute möchte ich Euch die drei für mich interessantesten Reise-Kreditkarten vorstellen. Bei der Auswahl habe ich bewusst Anbieter gewählt, die mit dem bisherigen Girokonto genutzt werden können und somit eine Alternative zur DKB darstellen. Versteht mich bitte nicht falsch, die DKB-Visa gehört zu den besten ihrer Art, jedoch gibt es viele Bankkunden, die lediglich eine Reise-Kreditkarte suchen, und zu Hause auf das bewährte Girokonto setzen. Damit sich niemand auf den Schlips getreten fühlt, habe ich diesen Beitrag ebenfalls bewusst die „interessantesten“ und nicht die „besten“ genannt 😉

Meine Top 3 – ohne Girokonto

Kurz vorab: Für mich muss eine Reise-Kreditkarte eine echte „Credit“-Karte mit entsprechendem Signet sein. Insbesondere bei der Mietwagenbuchung und bei manchen Hotels werden Debitkarten zur Hinterlegung der Kaution nicht akzeptiert, daher habe ich Anbieter wie N26, Revolut, Curve und Co. nicht mit aufgenommen. Ein Vergleich dieser Anbieter folgt in einem separaten Artikel. Die nachfolgenden Anbieter verzichten darüber hinaus alle auf Fremdwährungsaufschläge.



Advanzia Gebührenfrei Mastercard GoldKlarna Visa CardSantander 1Plus Visa
TypCreditCreditCredit
Kosten p.a.
0 €0 €0 €
Bargeldgebühr1,49 % Zinsen p.m.Bargeldbezug nicht möglich0 €
Mindest-abhebung 50 €?nein/nein
Besonderheitenkostenlose ReiseversicherungKarte sperren in der App, offiziell im Beta-StatusErstattung von direkten Automatenentgelten, nur 10 Transaktionen pro Tag, 1 % Tankrabatt bis 400 € p.m.
Apple Pay
neinneinnein
Google Payneinjanein
NFCjajaja
Abbuchungmanuell (Rechnungsstellung zum 03. eines Monats; Teilzahlung möglich)Lastschrift pro Transaktion (de facto Debitverfahren) oder Rechnung mit 14-tägigen Zahlungsziel; Teilzahlung möglich5 % (mindestens 25 €) per monatlicher Lastschrift, Restbetrag muss manuell ausgeglichen werden; Teilzahlung möglich
Zinsen bei Teilzahlung19,44 % p.a. (eff.)11,95 % p.a. (eff.) + 0,45 € p.m. fix13,98 % p.a.(eff.)

Advanzia Gebührenfrei Mastercard Gold

Die Advanzia Kreditkarte habe ich mittlerweile seit über 12 Jahren. Zwar hat die Karte einen eher zwielichtigen Ruf, der nicht zuletzt durch die billig anmutende Online-Präsenz verstärkt wird, Probleme hatte ich jedoch nie. Zum Zeitpunkt der Beantragung war ich selbst noch Schüler und benötigte eine Kreditkarte für die Bahn (das war damals die einzige Möglichkeit, um Tickets online zu bezahlen). Alle anderen Banken inkl. meiner Hausbank lehnten meinen Antrag ab, die Advanzia schickte mir ca. 2 Monate später kommentarlos die goldene Mastercard zu.

Anfangs hatte ich ein geringes Limit von 200 €, dieses stieg aber mit jeder Monatsabrechnung an und blieb nach einigen Monaten oder Jahren (das weiß ich leider nicht mehr genau) bei 7.500 € stehen. Für die schnellen Leser hier kurz und knapp die Vor- und Nachteile:

Die Vorteile:

  • Auch mit schlechter bzw. geringer Bonität wird die Karte in der Regel ausgestellt: Ich war damals Schüler und hatte kein Einkommen.
  • Reiseversicherungen: Diese gelten sobald man eine Reise mindestens zu 50 % mit dieser Karte bezahlt. Die Versicherungen sind von den Bedingungen her nicht gerade die besten, ich hatte bisher auch nie Bedarf dafür.
  • Wirklich (fast) keine Gebühren: Egal ob Ihr eine neue Karte bestellt, die PIN vergessen habt, den Kundenservice anruft, in Fremdwährung bezahlt, usw.; das „fast“ erläutere ich unten bei den Nachteilen.
  • Hohes Verfügungslimit: Dieses steigt mit der Zeit rapide an.
  • Hohes Bargeldlimit: 1.000 pro Tag, bis zu 5 Abhebungen täglich erlaubt.
  • 7 Wochen Zahlungsziel: Für den ein oder anderen sicher ein Vorteil, ich habe das nie genutzt.

Die Nachteile:

  • Mega-Zinsen in Höhe von aktuell 19,44 % p.a. bei Nutzung der Teilzahlung.
  • Bargeldabhebungen werden ab dem Abhebetag verzinst: Um Geld zu sparen solltet Ihr den abgehobenen Betrag unmittelbar ausgleichen. Hält man sich daran, kann man tatsächlich weltweit extrem günstig Bargeld beziehen (trotzdem).
  • Kein Lastschrift-Service: Die monatlichen Rechnungen müssen manuell überwiesen werden. Bargeldtransaktionen sollten bereits vor der Rechnungsstellung ausgeglichen werden

Klarna Visa Card

Klarna bietet erst seit kurzem eine eigene Kreditkarte in Deutschland an. Zur Erinnerung: Klarna ist dieses hippe, rosa Unternehmen aus Schweden und wahrscheinlich PayPals härtester Konkurrent. Die Besonderheit dieser Karte ist, dass es sich um eine echte „Credit“-Karte handelt, die jedoch wie eine Debitkarte funktioniert. Jede Transaktion wird wahlweise sofort per Lastschrift eingezogen oder ist nach zwei Wochen fällig. Die gewünschte Abrechnungsart kann direkt in der App eingestellt werden. Bisher funktioniert die Karte bereits via Google Pay, Apple Pay soll in Kürze folgen. Da ich Apple Pay nutze, werde ich dazu noch einen Testbericht veröffentlichen, sobald die Nutzung hierzulande möglich ist.

Klarna App, Karte einfrieren
Über die Klarna App kann die Karte in Echtzeit eingefroren werden.

Die Vorteile:

  • Schnelle und unkomplizierte Beantragung über die Klarna App: Die Verifizierung erfolgt durch eine Sofortüberweisung. Via Google Pay ist die Karte umgehend nutzbar.
  • Keine Fremdwährungsgebühren
  • Die Klarna Card kann in der App eingefroren und wieder aufgetaut werden
  • Direkte Abbuchung über das vorhandene Girokonto möglich

Die Nachteile:

  • Keine Bargeldabhebung möglich: Bargeld verliert vor allem auf Reisen immer mehr an Bedeutung, jedoch sollte man auf Reisen unbedingt noch auf eine zweite Karte ohne diese Beschränkung setzen. Aus Sicht von Klarna ist dieser Schritt klug, da sie so den ATM-Gebühren entgehen, schade ist es trotzdem.
  • Beta-Status: Hier und da hackt es noch ein wenig. Klarna sagt aber ganz offen, dass sich die Klarna Card noch im Beta-Status befindet.

Santander 1Plus Visa

Die Santander 1Plus Visa hat auf dem Papier die absolut besten Konditionen, vor allem die Erstattung direkter Automatenentgelte ist in Deutschland einmalig. Viele kleine Nachteile hinderten mich bisher jedoch, diese zu beantragen. Das war zum Beispiel bis vor kurzem noch das fehlende NFC (Seit einigen Tagen liefert die Santander nun auch Kontaktlos-Karten aus). Mehr dazu unten in den Nachteilen.

Die Vorteile:

  • Weltweit kostenlos Bargeld abheben
  • Erstattung von direkten Automatenentgelten (einziger Anbieter!)
  • Keine Fremdwährungsgebühren
  • 1 % Tankrabatt (bis 400 € p.m.)

Die Nachteile:

  • Nur 10 Transaktionen pro Tag möglich (der Zähler wird um 00:00 Uhr jeweils zurückgesetzt)
  • Bargeldlimit 300 € pro Tag
  • Monatliche Abbuchung 5 % (mind. 25 €) nicht änderbar. Restbetrag muss manuell überwiesen werden.